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Berlin, 04.11.2006
Manche fragen sich, warum in letzter Zeit immer weniger Artikel veröffentlich werden und auch der Stammtisch eher sporadisch stattfindet. Als das findet seinen Grund in der Arbeitsagentur: während einige dem Hungerleiden wegen in die Beschäftigung fliehen, tummeln sich andere in sinnlosen "Ein-Euro-Jobs" bei so genannten gemeinnützigen Projekten oder lassen sich in unsinnigen Kursen in die Dauerarbeitslosigkeit weiterbilden und andere kehren dem Terror des Arbeitsamt endgültig dem Rücken, sie werden berufsmäßige Schnorrer.


von Phil²


Ach, was waren das noch für goldige Zeiten, als man sein Dasein durch regelmäßiges Handaufhalten beim Sozialamt finanzieren konnte. Selbst der geforderte Nachweis von zehn Bewerbungen im Monat konnte einem nicht schrecken, man notierte sich Jobangebote aus der BZ oder Morgenpost, und selbst wenn das Arbeitsamt tatsächlich mal eine Arbeit vermittelt, so konnte man sicher sein, dass man als Punk, Skin oder Alki sowieso nicht eingestellt wird.

Nun sind diese Zeiten vorbei, ein ganz neuer Dienstleistungszweig hat erkannt, dass man mit Arbeitslosen eine Menge Geld verdienen kann und so haben die ehemaligen Sozialschmarotzer jetzt die Wahl zwischen Teufel und Beelzebub: entweder sie lassen sich ihr AlgII bis auf 0 Euro kürzen oder sie nehmen an einer "Maßnahme" Teil. Diese kann entweder eine "Mehrkosten-Aufwand-Entschädigung" (MAE) oder eine "Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahme" sein. Selbstverständlich lassen sich die gemeinnützigen Gesellschaften, die Arbeitslose an diverse Vereine und Projekte vermitteln, sich ihre Menschenfreundlichkeit teuer bezahlen. Letztendlich besteht für den armen geknechteten Arbeitslosen nur der Unterschied zwischen 30 Stunden MAE in der Woche oder einen 1-Jahresvertrag bei einem Entgelt von 1000€ brutto. Am Ende bleiben beide ungefähr ein gleichgroßer Nettolohn von ca. 700€, eine Summe für die heutzutage kein Pole mehr über die Oder "rübermachen" würde.

Perfiderweise schaffen diese Maßnahmen nur Arbeit in der Verwaltung, denn so ein Projekt muss man ja definierenn, ein Verein muss seinen Bedarf, natürlich schriftlich, anmelden und all das muss verwaltet, erfasst und bearbeitet werden, während reguläre Jobs reihenweise vernichtet werden. Denn wozu eine Putzfrau bezahlen, wenn man seinen kostenlosen MAE-Sklaven beantragen kann. Und in anderen Branchen sieht es ähnlich aus. So generiert die Arbeitsagentur einen ganz neuen Dienstleistungsmarkt, wem wundert es, dass sie dabei auch noch Milliardengewinne macht.

Wir von der APPD, der Partei der Vernunft, fordern daher weiterhin: Jeder der eine Arbeit haben möchte, soll sie auch bekommen, gut bezahlt und krisensicher! Wer aber nicht arbeiten möchte, der soll dafür auch nicht bestraft werden, daher ist Arbeitslosigkeit bei vollem Lohnausgleich gefordert! Bis dahin ist natürlich noch ein langer Weg, so lasst uns doch zum alten Status Quo zurückkehren:

"Ihr tut, als ob ihr Arbeitsplätze schafft, wir als ob wir arbeiten wollen"